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ISEP Austausch an die University of Minnesota

NameSascha Stöter
UniversitätUniversity of Minnesota
FachrichtungInformatik (Graduate Program)
ProgrammISEP
ZeitraumSeptember 1996 / Juni 1997
Emailstoeter@cs.umn.edu
Webwww.stoeter.com
BesonderheitenVerlängerter Aufenthalt für Masters Degree

Um gleich mal ein Vorurteil zu zerstören: Die US-Fernsehwerbung ist kein Stück besser als die deutsche (Ausnahme: Menards). Das macht aber überhaupt nichts, da man eh nicht zum Fernsehen kommt. Womit wir auch schon das größte Problem angesprochen hätten: Zeit. Wenn man etwas an einer US-Uni lernt, dann ist es Zeitmanagement.

Ich bin über ISEP für ein akademisches Jahr an die U of M gegangen und habe dort im Graduate Bereich Informatik studiert. Dies war möglich, da ich mich gleichzeitig unabhängig vom Austauschprogramm direkt als Masters Student beworben habe. Einige der dazu notwendigen Voraussetzungen sind GRE und Vordiplom plus ca. 2 Jahre weiteres Studium in Deutschland. Ich hoffe meinen Abschluß als Diplom anerkannt zu bekommen. Es ist noch unklar, ob das möglich ist.

Vorbereitungen

Bei mir hat der Austausch ca. ein Jahr Vorlaufzeit gehabt. Während dieser Zeit mußte ich die Tests (TOEFL, GRE) ablegen, Formalien erledigen und das OK vom Austauschkommittee der TUBS für ein Programm erhalten. Das alles kostet weit mehr Zeit als man es sich zunächst vorstellt. Nicht unterschätzen sollte man den psychischen Streß. Man wird sich oft fragen, ob es eine gute Entscheidung war wegzugehen (Antwort: s. Fazit).

Ankunft

Bei Ankunft wurde ich, wie jeder andere mir bekannte international auch, von jemanden am Flughafen abgeholt. In den nächsten Tagen waren einige Infoveranstaltungen angesetzt, bei denen neben Fakten vermitteln auch Treffen für später am Abend abgemacht worden sind. Man sollte sich auf jeden Fall davor hüten, ausschließlich seine Landsleute anzusprechen. Auch wenn es am Anfang schwerfällt, insbesondere in Anwesenheit anderer Deutscher: sprecht Englisch! Selbst Amis machen Fehler. Häufig sind sie von den fremden Akzenten begeistert.

Unterbringung

Ich hatte mich entschieden im dorm zu leben, da es nur wenige Minuten von meinem Department entfernt war und ich auf diese Weise auch nicht selbst kochen mußte. Dummerweise ist das Essen nicht ansatzweise mit dem unserer Mensa vergleichbar. Für gutes Frühstück gehe zu Al in Dinkytown. Beim Essen trifft man auch die anderen internationals wieder, sowie viele Amerikaner. Allein und verlassen wird man sich nie vorkommen müssen — im Gegenteil. Teilweise kann dieses ungewohnt ofte Sehen immer derselben Leute auch nerven. Ebenso wie die meist recht jungen undergrads, welche die hauptsächliche Population in dorms darstellen. Alles in allem erscheint es mir sinnvoll für den Austausch im dorm zu leben; ein weiteres Jahr könnte ich es allerdings nicht.

Akademisches Leben

Selbst in Graduatekursen kam ich mir in meine Schulzeit zurückgesetzt vor. Hausaufgaben en masse, dabei zusätzlich meistens ein Kursprojekt. Im ersten quarter hat mich das täglich (also auch am Wochenende) bis manchmal nach Mitternacht wachgehalten. Kurz vor Quarterende, wenn die Projekte fällig sind, habe ich auch mal kaum bis gar nicht geschlafen. Dabei habe ich an der TUBS in der Regel nur für Prüfungen gelernt (und das nicht, weil ich so schlau bin …). Viele der Aufgaben erscheinen mir als busy work, in die Tiefe geht recht wenig. Anwendung von Gelerntem steht im Vordergrund. In den folgenden Quartern habe weniger Zeit für das Studium aufgewendet, wobei die grades gleich gut blieben. Ich hatte mich dem System offenbar besser angepasst. Es ist allgemein einfacher als grad gute Noten zu bekommen, denn als undergrad.

Es ist wichtig bei seinen Kursen zumindest in der ersten Stunde des Quarters anwesend zu sein, da Nichterscheinen zum Rausschmiß führt. Dadurch entsteht neuer Platz in belegten Kursen, den man durch Eintrag in die waiting list, die Anwesenheitsliste und Gespräch mit dem Dozenten erhält.

Der Zugang zu Professoren ist durch die fehlende Assi-Zwischenschicht vereinfacht. Professoren werden zumindest von den grad students mit Vornamen angeredet und sind immer hilfsbereit. Machmal laden sie auch zum Bar-B-Q zu sich nach Hause ein.

Minnesota

Ja, Minnesota ist kalt. Weniger bekannt hingegen ist, daß Herbst und Frühling jeweils maximal 2 Wochen dauern und sich der Sommer heiß und schwül gibt. Gegen dieses Klima werden Tunnel und skyways aufgefahren, in denen es temperaturmäßig recht angenehm ist. Nachteil: Sie führen nicht überall hin und bedeuten häufig doppelte Wegstrecke.

Dem Akademischen Auslandsamt entspricht, wenn man als Austauschstudent kommt, der Global Campus.

Nach Hause telefonieren

Ich hatte mit Heimweh keine Probleme. Dies ist keineswegs verallgemeinbar, viele hatten es schwerer. Es ist nur ein Abschied auf Zeit und Email, Telefon und — wer noch mag — Briefe verkürzen zumindest die gedankliche Distanz zur Heimat. Überraschend ist es dann doch, mit wem man in Kontakt bleibt oder kommt.

Rückkehren war für mich schwieriger. Eigentlich wollte ich bleiben, wenn auch mit weniger Studienstreß.

Verlängerung

Sobald man erstmal an einer US-Uni angekommen ist, sind viele Möglichkeiten offen. Ich habe nach den ersten Noten endgültig entschieden meinen Aufenthalt zur Vollendung des Masters zu verlängern. Weitere Informationen liefern der Global Campus, ISSS, fähige Profs und ich.

Fazit: Ich kann einen Aufenthalt in den USA empfehlen.